Wir wissen nicht so recht, wohin es weitergehen soll. Nehmen wir den train touristique durch die Allier-Schlucht (ist ein Tagesausflug inkl. superfrühem Aufstehen) oder fahren wir wieder nach Osten, um den Mont Mézenc zu besteigen (wir wollen doch eigentlich nach Westen!)? Letztendlich siegt das technische Interesse meines Liebsten und wir fahren zum Viaduc de Garabit. Dieser Viadukt wurde erbaut von Monsieur Eiffel und war bis zum Bau des Viaduc des Fades (Ihr erinnert Euch?) die höchste Eisenbahnbrücke.

Wohin nun? Wir machen eine Rundtour um die aufgestaute Truyère, picknicken am Belvédère de Mallet, bewundern von weitem die Ruinen des Château d‘Alleuze (es gibt hier keinen Parkplatz fürs Kaschdl) und kehren zum Ausgangspunkt zurück.


Wir haben nämlich einen Plan: Der Viadukt wird nachts angestrahlt, es gibt dort einen Stellplatz, wir haben ein Stativ dabei und diese wundervolle Ansicht wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten. Als es uns dunkel genug erscheint, bauen wir unsere Gerätschaften am zuvor erkundeten besten Platz auf, sind kurz davor, auf den Auslöser zu drücken, und: Das Licht geht aus! Es ist kurz nach 22 Uhr, wir gucken uns verdattert an. Die Franzosen sind echte Energiesparer! Wer also auch den Viaduc de Garabit bei Nacht in seiner ganzen Pracht sehen möchte, dem sei das Internet empfohlen. Spektakulärer hätten wir es auch nicht fotografieren können.
Bon, Auvergne, nett war’s, aber Frankreich hat noch andere schöne Landstriche zu bieten: Wir brechen in Richtung Périgord auf. Gemütlich über die Landstraßen, vorbei an schnuckeligen Dörfern, prachtvollen Landsitzen (leider keine Fotos, wir können nicht anhalten). Der Reiseführer empfiehlt das Städtchen Aurillac, das liegt auf unserer Route, also hin! Die Stadt ist wie ausgestorben – Himmelfahrtstag, alles ist fermé, die Einheimischen nehmen wohl geschlossen am Gottesdienst teil (wir hören Gesänge aus der Kirche kommend). Trotz der menschenleeren Gassen, durch die wir schlendern, spüren wir das Flair dieses Ortes und finden doch noch einen Salon de Thé, dessen Köstlichkeiten wir probieren. Wir werden wiederkommen, wenn all die schönen Geschäfte geöffnet haben und vor allem der Käsemarkt!



Bis ins Périgord werden wir es heute nicht ganz schaffen, bis zum Fluss Dordogne aber schon. Wir suchen uns einen Winzer über France Passion (diesmal gibt es einen vin paillé de Corrèze) und steigen in den Sattel um, ganz schön hügelig… Unser Ziel ist das village pittoresque Bassignac le Bas auf der anderen Seite der Dordogne. Noch einmal 1,5 km den Berg hinauf. Es sind 29°C, die Sonne brennt vom Himmel, der Schweiß läuft mir in die Augen. Mein Richard Virenque bleibt an meiner Seite (natürlich nicht gedopt) und diesmal schiebe ich mein Rad nicht! Mein Vater, die alte Berggemse, wäre stolz auf mich! Auf dem Rückweg zum Kaschdl mache ich noch aus der Ferne ein Foto vom Dörfchen, sieht gar nicht so hoch aus…


Völlig ermattet sitze ich nun in meinem Campingstuhl, denke an Euch und genieße die Aussicht.
