Im letzten Bericht habe ich offenbar so über den Regen gejammert, dass uns viele Besseres-Wetter-Wünsche erreichen. Und es hilft! Ihr schickt uns nicht nur Sonnenschein, sondern auch gleich noch etwas der heimatlichen Hitze in den Norden Schottlands. Bei bis zu 26°C werden die Stiefel geschnürt und ab geht‘s nach draußen!
Am Loch Maree wandern wir in der Beinn Eighe National Nature Reserve.

Wir spazieren in den Inverewe Gardens – The impossible Garden – denn hier wachsen exotische Pflanzen, die das normalerweise auf 57,8° nördlicher Breite nicht tun, sich aber an der Nord-Westküste Schottlands wegen des Golfstroms doch recht wohl fühlen.



Beim – für schottische Verhältnisse beachtlichen – Canyon Corrieshalloch Gorge werfen wir von der Hängebrücke einen Blick auf den Wasserfall, bevor wir nach Ullapool weiterfahren – einem Hafenort mit Supermarkt, Tankstelle und einem Imbiss, der hervorragende Fish & Chips machen soll – und am Ende des Tages den Ostgipfel des Stac Pollaiden erklimmen.







Wenn wir schon nicht zum „Old Man of Storr“ wandern konnten, dann wenigstens zum „Old Man of Stoer“. Und ab dem Loch Assynt nehmen wir Kurs auf den nordwestlichsten Zipfel des schottischen Festlands.



Durness ist das Zentrum des dünn besiedelten Nordens und wir schaffen es wieder einmal (unfreiwillig) genau an dem einen Tag im Jahr dort anzukommen, wo die Hölle los ist: Es ist „Games Day“! Der riesige Campingplatz: ist voll. Der Ausflug zum Cape Wrath: fällt aus – der Fährmann nimmt an den Spielen teil. Ebenso müssen wir auf die Tour in der Höhle „Smoo Cave“ verzichten, denn der Guide… Auf den unterirdischen Wasserfall können wir auch so einen Blick erhaschen und entdecken nebenbei auch noch einen tollen Stellplatz in der Nähe des Ortes an der Steilküste. Wir bleiben also und sehen uns das Durness Highland Gathering an. Diese traditionellen Highland Games sind eine sympathische Veranstaltung in kleinem Rahmen, wo jeder mitmachen kann.





Und dann geht es schon wieder Richtung Süden – das Ende unserer Reise naht – aber ein paar Orte wollen wir noch besuchen. Zunächst fahren wir durch das Flow Country – eine endlose Moorlandschaft, in der es wirklich nichts gibt. Das ist das nachhaltige Ergebnis der „Highland Clearances“, als nach verlorener Schlacht von Culloden (1746) zehntausende Menschen vertrieben und die Bäume zugunsten der lukrativeren Schafweidewirtschaft abgeholzt wurden. Der Sieg der regierungstreuen Truppen zog außerdem das Ende des Clanwesens und ein weiteres Trauma der Schotten nach sich. Da uns dieser Teil der schottischen Geschichte sehr bewegt, fahren wir zum Schlachtfeld von Culloden und vertiefen dort unsere Kenntnisse im Visitor Centre.


Als nächstes steht wieder etwas erfreulicheres auf dem Programm: Wir besichtigen eine Whisky-Brennerei, und zwar The Glenfiddich Distillery. In der Speyside gibt es wohl ca. 50 Brennereien, aber wir entscheiden uns für die bekannte, noch familiengeführte Destille, die übrigens schon seit 50 Jahren ein Besucherzentrum unterhält. Und so erfahren wir sehr professionell alles über die Herstellung eines guten Single Malt. Auf die Verkostung verzichtet mein Liebster allerdings um 11 Uhr morgens, aber gegen ein Stückchen Highland Whisky Cake ist nichts einzuwenden!



Als letztes Highlight steuern wir das schneeweiße Blair Castle an und danach will mein Liebster erstmal keine Schlösser und Burgen mehr sehen. Schade eigentlich.


Morgen werden wir auf die Fähre zum Kontinent rollen. Die Urlaubsende-Melancholie macht sich breit… Zeit für ein
Summary
- Schottland ist schön! Auch wenn es regnet.
- Die Schotten sind ein freundliches Volk und immer zu einem kleinen Schwätzchen aufgelegt. So kann es schon mal passieren, dass ein Wildfremder an die Womo-Tür klopft, um uns mitzuteilen, dass er den Brexit nicht will und sich gekidnappt fühlt.
- Schafe haben hier Vorfahrt und wissen das auch.
- Wenn ihr morgens aufwacht, weil das Womo wackelt und es klopft: keine Panik, ihr steht nur inmitten von Schafen, die sich gerade mit eurem Wohnmobil anfreunden, indem sie sich daran reiben.
- Schottland ist wunderbar für einen Urlaub im Womo geeignet und das Freistehen überhaupt kein Problem (die Ver- und Entsorgung schon eher)
- Die gesparten horrenden Campingplatzgebühren könnt ihr dann gleich in die unverschämt hohen Eintrittspreise und Parkgebühren der unzähligen Sehenswürdigkeiten investieren.
- Midges können zur Plage werden – Touristen auch. Da hilft nur eins: in der Nebensaison hierher fahren. Und das werden wir auch machen. We will come back!
