Wir überqueren zum zweiten Mal den Polarkreis und natürlich wird das auch in Norwegen in Szene gesetzt. Mitten im Fjell steht das Artic Circle Center, das uns aber nicht weiter interessiert. Wir werfen noch einen kurzen Blick auf die unzähligen Steinmännchen, die angesichts der Tradition der Samen, ihre Wege damit zu kennzeichnen, von den Touristen hier aufgestapelt werden. Zielführend ist das allerdings nicht mehr. So bleiben wir über Nacht und werden mit einem dramatischen Sonnenuntergang belohnt.


Und dann setzt der Regen ein und wird so lange nicht mehr aufhören, bis wir Nordland verlassen. Zunächst besichtigen wir eine wetterunabhängige Attraktion: die Grønligrotte. Bei konstanten 4°C bekommen wir eine Privatführung durch das Höhlensystem, entlang eines unterirdischen Flusses bis hin zu einem Gang, in dem ein großer Granitbrocken eingeklemmt wurde. Granit gibt es ansonsten hier nicht, der Riesenstein muss also vom einige Kilometer entfernten Gletscher in die Grotte transportiert worden sein.

Dieser Gletscher, der Svartisen, ist unser nächstes Ziel. Da es immer noch wie aus Eimern schüttet, legen wir einen Teil des Weges per Boot über den Gletschersee zurück. Der Weg am Ufer ist kaum noch passierbar. Die restlichen 3km haben wir zwar festen Untergrund, aber die Wanderung über die grauen und rostroten, waagerecht verlaufenden Gesteinsschichten ist anstrengend und rutschig. Und dann sehen wir plötzlich den Gletscher vor uns, das heißt eine seiner 60 Gletscherzungen. Wie weit er sich schon zurückgezogen hat, können wir an einzelnen Markierungen ablesen.



Wir klettern immer weiter, gehen aber aus Sicherheitsgründen nicht ganz heran – der Svartisen ist ja immer in Bewegung!


Ziemlich durchnässt – unsere Regenjacken haben irgendwann aufgegeben – aber begeistert von unserer Nahgletscher-Erfahrung treten wir den Rückweg an. Zum Glück hat unser Kaschdl eine Heizung, die wir in diesen Tagen gerne mal nutzen. Auf weitere Naturerlebnisse verzichten wir aber erstmal und verlassen Nordnorwegen, natürlich nicht ohne noch das kitschige Portal zu fotografieren, das den Reisenden auf seinem Weg in den Norden an der E6 begrüßt.
