Unser Reiseführer und auch der Michelin-Reiseatlas machen uns mit Höchstbewertungen zwei Zwischenziele schmackhaft, die wir auf dem Weg zum Tarn ansteuern. Cordes sur Ciel entpuppt sich als Bastidenstadt – nett anzusehen, aber davon hatten wir schon ähnliche – und macht leider einen verlassenen Eindruck. Viele Häuser stehen leer und zum Verkauf, schade eigentlich.

So fahren wir weiter nach Albi, das ebenfalls drei Michelin-Sterne vorweisen kann und mit zwei Attraktionen aufwartet: Das Toulouse-Lautrec-Museum (pikanterweise im Bischofspalast untergebracht) lassen wir wegen der Hitze ausfallen und besichtigen nur die Kathedrale Sainte-Cécile. Von außen will sie uns nicht so recht gefallen, auch wenn sie eine der größten Backsteinkirchen der Welt ist. Das gotische Eingangsportal steht im krassen Gegensatz zu dem festungsähnlichen Erscheinungsbild der restlichen Kirche. Das kann nicht der Grund sein, warum wir schon wieder vor einem UNESCO-Weltkulturerbe stehen. Der offenbart sich uns, als wir die Kathedrale betreten. Ich mag Euch wirklich nicht mit Kirchenbildern langweilen (wir haben mittlerweile schon einige besichtigt), aber das müsst Ihr Euch ansehen: Das Innere ist komplett bemalt, besonders sind wohl auch Lettner und Chorschranke (ich musste auch erst nachlesen, was das ist), jede Figur ist individuell ausgearbeitet.




Nach so viel Kultur hält uns nichts mehr auf dem Weg zum Tarn auf. Am Eingang zur Schlucht finden wir in Le Rozier einen einfachen Campingplatz, wo wir direkt am Fluss stehen können. Und auch wenn wir schon beim Rumsitzen anfangen zu schwitzen, raffen wir uns dennoch am späten Nachmittag zu einer kleinen Wanderung zum Aussichtspunkt Capluc auf. Dass wir da über Stock und Stein kraxeln und sogar Leitern am Berg erklimmen müssen, stand nicht im Reiseführer, aber die Aussicht beim Gipfelkreuz ist wirklich fantastisch – einschließlich der über uns kreisenden Geier. Die haben wahrscheinlich bemerkt, dass mein Bergsteiger in Sandalen unterwegs ist, und haben sich schon Hoffnung auf ein fettes Abendessen gemacht, aber schließlich war mein Liebster auch schon mit Flip-Flops in den Alpen unterwegs, das macht ihm gar nichts aus!
