Bevor wir in der Zeit zurückreisen, ein kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag: Da sich unser Besuch in Lascaux verzögert (wir müssen erst auf eine deutschsprachige Führung warten), begeben wir uns auf die Suche nach dem Château Rastignac, das im 9. Bruno-Band erwähnt wird. Dieses Schloss soll ein Vorbild für ein anderes berühmtes Haus gewesen sein, was Monsieur Trümp sicherlich abstreiten würde. Öffentlich zugänglich ist es nicht, aber wir erhaschen ganz nach Papparazzo-Art trotzdem ein Bild. Na, habt Ihr es erkannt?

Den Rest des Tages fahren wir noch ein bisschen in der Gegend rum, entdecken zufällig ein wirklich entzückendes Dörfchen mit einer gewaltigen Abtei (leider verschimmelt und von Tauben bewohnt, aber vielleicht gerade wegen dieses morbiden Charmes beeindruckend, wie aus „der Name der Rose“) und landen schließlich auf einem Bauernhof (diesmal Nussöl), wo uns ein liebenswertes englisches Pärchen in den Siebzigern zum Fünf-Uhr-Tee einlädt und mich zum Französisch-Englisch-Übersetzer befördert, was in meinem Kopf ein ziemliches Durcheinander erzeugt, wenn mir dann auch noch unpassenderweise spanische Vokabeln einfallen… June und Ron, begleitet von Ihrem Labrador Cornflakes, sind mit einem Gefährt in Reisebusgröße unterwegs – den Trailer mit dem Fiat 500 eingerechnet sind das dann ca. 15m!


Aber zurück zu Lascaux, es ist soweit, wir dürfen in das Heiligtum, na ja wenigstens in die Kopie der Kopie. Worum es hierbei geht? Um Höhlenmalerei des Cro-Magnon-Menschen. 1940 wurde durch Zufall diese zwar recht kleine Höhle entdeckt, die aber eine hohe Dichte an steinzeitlichen Bildern aufweist. Die Begeisterung ist groß, der Besucherandrang auch, so dass die Höhle in den Sechzigern geschlossen wird. Zwanzig Jahre später wird dafür Lascaux II geschaffen, eine originalgetreue Kopie, die, Ihr ahnt es schon, 2012 auch geschlossen werden muss. Seitdem gibt es Lascaux III als Wanderausstellung, aber Ende 2016 wurde Lascaux IV eröffnet und ein internationales Zentrum für Höhlenmalerei gleich dazu. Die „Höhle“ ist nicht mehr im Hügel, sondern in einem supermodernen Museumsbau (hat ein Norweger entworfen, wirklich toll). Es wird einem trotzdem vorgegaukelt, unter Tage zu sein, einschließlich kühler 13°C – fotografieren strengstens verboten! Das können wir dann aber ausgiebig in der anschließenden Ausstellung, wo noch einmal Teile der Replikationen aufgehängt sind und bis ins kleinste Detail erklärt werden – alles interaktiv, jeder Besucher hat ein Tablet. Das finde ich dann doch wieder gelungen.


Aber das Tal der Vézère (übrigens UNESCO Weltkulturerbe) hat noch mehr zu bieten, alle paar Meter gibt es eine steinzeitliche Sehenswürdigkeit. Der Roque Saint-Christophe beeindruckt durch seine zahlreichen Felsüberhänge, die schon von den Neandertalern und später von den Cro-Magnon-Menschen bewohnt wurden. Im Mittelalter wurde die Felswand schließlich zu einer Festung ausgebaut.

Was Cro-Magnon heißt? „Cro“ kommt vom okzitanischen Wort „Mulde“ und „Magnon“ ist der Name des Eigentümers, auf dessen Grundstück die Skelette gefunden wurden. Und diese Halbhöhle gucken wir uns auch noch an, schließlich wurde hier, in unserer momentanen Nachbarschaft der steinzeitliche Homo Sapiens entdeckt!

Jetzt aber Schluss mit dem Geschichtsunterricht, wir haben uns einen Campingplatz mit Pool gegönnt und da springen wir jetzt rein!